Mit der erstmaligen Austragung der Conference League am 24. und 25. September hat die European Amputee Football Federation (EAFF) einen weiteren wichtigen Schritt zur Entwicklung des Amputiertenfußballs auf europäischer Ebene unternommen. Neben der bereits etablierten Champions League und Europa League bietet der neue Wettbewerb insbesondere Vereinen aus Ländern, in denen sich noch keine größeren nationalen Ligastrukturen entwickelt haben, die Möglichkeit, internationale Wettkampferfahrung zu sammeln und sich mit Teams aus anderen Nationen zu messen.
Gastgeber der Premiere war der rumänische Traditionsverein FCSB (Steaua Bukarest). Neben der Heimmannschaft nahmen Maccabi Haifa aus Israel, Ayr United aus Schottland sowie Panathinaikos Athen aus Griechenland teil. Ausgetragen wurden die Begegnungen auf dem Trainingsgelände des FCSB, auf dem sich normalerweise die Nachwuchsmannschaften und auch die Profis des Vereins auf ihre Spiele vorbereiten.
Besondere Anforderungen an die Schiedsrichter
Der Amputiertenfußball unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten vom klassischen Fußball. Gespielt wird mit sechs Feldspielern und einem Torwart pro Mannschaft. Die Feldspieler bewegen sich mithilfe von Krücken fort, während die Torhüter eine Einschränkung an einem Arm aufweisen. Die Spielzeit beträgt zweimal 25 Minuten, eine Abseitsregel gibt es nicht.
Auch für die Schiedsrichter ergeben sich daraus besondere Herausforderungen. Ähnlich wie beim Futsal werden die Begegnungen auf internationaler Ebene von zwei gleichberechtigten Schiedsrichtern auf dem Spielfeld geleitet. Ein dritter Offizieller übernimmt unter anderem die Überwachung der Auswechslungen, die Betreuung der technischen Zonen sowie organisatorische Aufgaben rund um die Spielleitung.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern beispielsweise Zweikämpfe unter Einsatz der Gehstützen. Diese dürfen nicht zum Spielen des Balles verwendet werden. Eine absichtliche Ballberührung mit einer Gehstütze wird wie ein Handspiel geahndet. Neben der sicheren Anwendung des Regelwerks sind daher vor allem eine gute Positionierung, eine vorausschauende Spielleitung und eine enge Abstimmung innerhalb des Schiedsrichterteams gefragt.
Internationale Zusammenarbeit und ein vorentscheidendes Spiel
Eine besondere Herausforderung und gleichzeitig große Bereicherung stellte die internationale Zusammensetzung des Schiedsrichterteams dar. Die Unparteiischen kamen aus England, Polen, Rumänien, der Türkei und Deutschland. Die gesamte Kommunikation auf und neben dem Spielfeld erfolgte auf Englisch.
Dabei zeigte sich einmal mehr, wie wichtig eine gemeinsame Linie und eine klare Kommunikation für eine erfolgreiche Spielleitung sind. Regelmäßige Besprechungen, gemeinsame Videoanalysen und die intensive Nachbereitung der Begegnungen gehörten ebenso zum Turnieralltag wie der fachliche Austausch über unterschiedliche Spielleitungen und Erfahrungen aus den jeweiligen Heimatländern.
Sportlicher Höhepunkt meines Einsatzes war die Leitung der vorentscheidenden Begegnung zwischen Gastgeber FCSB und Maccabi Haifa. In einer intensiven Partie setzten sich die Gäste aus Israel durch und legten damit einen entscheidenden Grundstein für ihren späteren Turniersieg.
Maccabi Haifa sicherte sich schließlich ungeschlagen den Titel bei der ersten Austragung der Conference League. Besonders beeindruckend: Die Mannschaft erzielte im gesamten Turnier zwölf Treffer und blieb dabei ohne ein einziges Gegentor. Auf den weiteren Plätzen folgten Ayr United, FCSB und Panathinaikos Athen.
Wertvolle Erfahrungen auf und neben dem Platz
Neben den sportlichen Eindrücken bot der Aufenthalt auch die Gelegenheit, die rumänische Hauptstadt Bukarest und ihre lokalen Gepflogenheiten kennenzulernen. Insbesondere die Gastfreundschaft der Organisatoren, der Austausch mit den internationalen Schiedsrichterkollegen und die professionelle Durchführung des Turniers bleiben in positiver Erinnerung.
Die intensive Vorbereitung und Nachbereitung der Spiele verdeutlichte zudem, wie sich auch der Amputiertenfußball auf internationaler Ebene zunehmend professionalisiert. Der Anspruch an eine einheitliche Regelauslegung, die gemeinsame Videoanalyse und die strukturierte Zusammenarbeit innerhalb der Schiedsrichterteams unterstreichen diese Entwicklung.
Für mich persönlich war die Teilnahme an dieser Europapokal-Premiere eine besondere Erfahrung. Neben der Möglichkeit, auf internationalem Niveau Spiele zu leiten, standen vor allem der fachliche Austausch, neue Perspektiven auf die Schiedsrichterarbeit und die Begegnungen mit Menschen aus unterschiedlichen Ländern im Mittelpunkt.
Die erste EAFF Conference League hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial im europäischen Amputiertenfußball steckt – und dass der Fußball auch abseits der bekannten Wettbewerbe spannende internationale Erfahrungen bereithält.

Bild von Jake Kirkman / EAFF